Liebe Eltern!
Masken an, Masken aus? Hygienemaßnahmen, in der Pause mit Abstand stehen, Schul- oder Kita-Besuch bei Husten und Schnupfen?
Bei all diesen (wichtigen) Punkten vergisst man schnell, dass es auch andere Themen gibt, die genauso wichtig sind und sogar bei Missachtung lebensbedrohlich sein können.
Daher mein aktueller Blog zu einem sehr wichtigen Thema:
KINDER MIT ALLERGIEN …
und natürlich im Speziellen: Wie gehen wir als Caterer mit dem Thema „sicheres Essen mit allergischen Kindern in Kitas und Schulen“ um?
Eine Bemerkung vorneweg: Mein Unternehmen liefert täglich über 3.200 Essen an Kitas und Schulen im Saarland. Das Thema Allergien hat für uns von je her einen sehr hohen Stellenwert. Als Mutter bin ich selbst betroffen. Eines meiner Kinder leidet seit seiner Kindheit unter zahlreichen Lebensmittelunverträglichkeiten. Daher hat mich schon immer auch als Mutter und nicht nur als Unternehmerin interessiert, wie der Spagat im Alltag zu schaffen ist und was passiert, wenn die Kinder außer Haus essen.
Wichtig: Alle Partner sind auf die Informationen der Eltern angewiesen! Im Falle von Saar-Retti bekommen wir diese von den Eltern direkt oder von den Verantwortlichen aus den Kindergärten und Schulen.
Daher mein Tipp: Seien Sie offen und ehrlich, aber überfrachten Sie nicht mit Informationen.
Kochen für Kinder mit Allergien ist für uns bei Rettel’s Partyservice Alltag und dennoch speziell.
Wussten Sie, dass z. B. je nach Allergie das Essen eines Allergiker-Kindes komplett separat gekocht werden muss? Eigene Töpfe, großer Abstand in der Küche, eigene Kochutensilien, eigene Lebensmittel-Fläche in den Kühlschränken. Hygienische und isolierte Verpackung … Ein Mitarbeiter für ein Essen … Für all diesen Aufwand berechnen wir einen kleinen Aufpreis. Ein kleiner Betrag für diesen großen Aufwand ist doch nicht schlimm – oder etwa doch?
Warum ich das so sage? Ganz einfach, ich verrate Ihnen ein Geheimnis.
Bevor wir eine Kindergartengruppe oder eine Schulklasse beliefern, fragen wir natürlich das Thema Allergien ab.
Und nun raten Sie, was dann passiert, wenn die Eltern hören, dass sie einen kleinen Aufpreis bezahlen müssen….
50 % der Allergiker-Kinder sind plötzlich keine Allergiker-Kinder mehr. Warum wohl?
Es geht a) um den Preis und b) um eine Verwechslung: Wenn ein Kind keinen Fisch mag, ist das noch lange keine Fischallergie.
Daher meine erste wichtige Bitte: Verwechseln Sie Allergien nicht mit dem Thema „Schmeckt mir nicht“ – das sind wir insbesondere den Kindern schuldig, die ihr Leben lang unter Allergien leiden!
(Echte) Allergien sind für Kinder eine wahnsinnige Herausforderung. Der komplette Alltag muss neu geplant werden, auch z. B. wenn die Schule mal auf Ausflug geht, das Kind auf den Geburtstag eines Freundes geht oder Ferien und Urlaub anstehen. Welches Hotel bietet überhaupt eine Lösung für die Allergie meines Kindes? Sind das echte Experten oder gibt es die „Alibi“-Funktionen, wenn es als Beispiel heißt „glutenfreie Speisen erhältlich“.
Mein Tipp – achten Sie auf Bewertungen, lesen Sie Kommentare und verschaffen Sie sich mit einem Telefonat einen Überblick – nur dann werden Sie entspannt und sorgenfrei reisen.
Aber bevor der nächste Urlaub ansteht, wird noch etwas Zeit vergehen, daher meine allgemeinen Ratschläge für Eltern mit Allergiker-Kindern:
• Für die Kinder muss die Schule oder Kita ein absolut sicherer Weg sein. Informieren Sie unverzüglich über die vorhandenen Allergien und geben Sie Updates, gerade falls es gravierende Änderungen im Rahmen des Lebenszyklus gibt.
• Geben Sie dem Kind einen Notfallplan mit und versuchen Sie, Mitschüler und Lehrer zu sensibilisieren, damit Warnsignale frühzeitig erkannt werden.
• Bringen Sie ggf. Formulare mit in die Kita und Schule und achten Sie auch auf rechtliche Fragen, z.B. wenn eine Medikamentenabgabe notwendig ist. Wer darf das? Welche Dosierung? Wer muss unverzüglich informiert werden?
• Dokumentieren Sie das Gespräch mit den Verantwortlichen.
• Nehmen Sie ihr Kind mit, weihen Sie es altersgerecht in die Thematik ein! Reden Sie offen. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind versteht, dass der Tausch eines Essens unmöglich ist, auch wenn das manchmal von den anderen Kindern einfach nur lieb gemeint ist. Kinder verstehen oft die Problematik nicht.
• Im Zweifelsfall reden Sie nochmals mit Ihren ärztlichen Betreuern, auf jeden Fall lassen Sie Ihrem Kind ein ärztliches Attest ausstellen und geben dieses dem Verantwortlichen.
In diesem Sinne:
Gute Vorbereitung ist alles.
Panik ist – wie immer – fehl am Platz.
Und eine Herzensbitte: Machen Sie es uns Caterern nicht noch unnötig schwerer.
Allergiker-Essen sind nur für Kinder mit Allergien und nicht für Kinder, denen etwas nicht schmeckt.
Danke für Ihre Aufmerksamkeit. Ich freue mich auf den Dialog mit Ihnen.
Ihre Heike Rettel
